Kaufprämien und Software-Updates sollen laut Industrie und Politik Autofahrer davor bewahren mit einem Fahrverbot belegt zu werden. Das ist laut Aussage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) allerdings unrealistisch. Umwelthilfe-Chef Jürgen Resch meint, dass die Luft im Winterhalbjahr durch die Maßnahmen überhaupt nicht besser werde, im Sommerhalbjahr würde die Belastung mit Stickoxiden um maximal fünft Prozent zurückgehen. Weil die EU-Grenzwerte an manchen Orten doppelt so hoch sind wie erlaubt, werde das Ziel, Fahrverbote zu vermeiden, komplett verfehlt.

Probleme und Forderungen

Das erste Problem sei, dass bei der Neukaufprämie der Diesel weiterhin im Fokus stehe, statt auf Gas- oder Elektroantriebe zu setzen. Zweitens sorgen die angekündigten Updates bei niedrigen Temperaturen nicht dafür, dass die Abgase genügend gereinigt wird. Den als Thermofenster bezeichnete Mechanismus, der aus Gründen des Motorschutzes bei sehr kalten oder heißem Wetter die Abgasreinigung herunterregelt, werde es weiter geben.

Die DUH fordert deswegen Fahrverbote für alle Diesel, die die Grenzwerte im Alltag nicht einhalten – das sind aktuell sehr viele Modelle. Damit die Menschen dennoch weiterfahren können, müsste nicht nur die Software verbessert, sondern auch neue Bauteile eingebaut werden.

Für Bürger mit älteren Autos, die sich kein neues Fahrzeug leisten können, fordert die DUH Hilfen vom Staat. Wenn Konzerne für die Manipulation von Abgaswerten auch Strafen bezahlen müssten, sei eine Gegenfinanzierung da, sagt Resch.

Beim Dieselgipfel Anfang August hatten Politik und Wirtschaft sich darauf geeinigt, dass zunächst rund 2,8 Millionen neuere Diesel verbesserte Software bekommen sollen. Zudem sind rund 2,5 Millionen Autos von VW bereits in einem Pflicht-Rückruf. Damit haben sich die Hersteller durchgesetzt, die Nachrüstungen an Bauteilen als wenig effektiv und kaum machbar beschreiben. Fest steht, dass solche Hardware-Nachrüstungen teurer und aufwendiger wären, als neue Programme aufzuspielen.