Vier Jahre ist es her, dass der Quarterback Colin Kaepernick seine San Francisco 49ers in den Super Bowl führte. Das Team unterlag zwar knapp den Baltimore Ravens, dennoch blickte der damals gerade mal 25-Jährige auf eine schillernde Zukunft in der NFL.

Bis zum 26. August 2016. Bei einem Testspiel gegen die Green Bay Packers blieb Kaepernick bei der Nationalhymne auf der Bank sitzen. Für viele ein No-Go in den USA. Er protestierte damit gegen die eskalierende Gewalt gegen Farbige durch die Polizei.

Ich stehe nicht auf, um Stolz für die Flagge eines Landes zu zeigen, das schwarze und farbige Menschen unterdrückt. Für mich ist das wichtiger als Football, und es wäre egoistisch von mir, einfach wegzusehen.

Polizeigewalt war der Auslöser

Letzes Jahr waren US-Cops gleich mehrfach mit unverhältnismäßigen Einsatz gegenüber Afroamerikanern aufgefallen. Der NFL-Quarterback wollte ein Zeichen setzen und kniete vor jedem Spiel bei der Nationalhymne am Spielfeldrand. Mehrere Sportler, sowohl aus der amerikanischen Football-Liga als auch anderen Sportarten, folgten Kaepernicks Vorbild. Aus dem Protest wurde eine Bewegung, die sich auch auf die Bevölkerung ausweitete.

US-Bürger unterstützten Kaepernick bei seinem Protest im letzten Jahr.

Doch nun folgte der Schock für Kaepernick. Als vor einer guten Woche die Vorbereitungsspiele für die Saison begannen, war das einstige Talent nicht mehr dabei. Eine Verlängerung seines noch ein Jahr gültigen Vertrags war gescheitert und so trennte sich der jetzt 29-Jährige von seinem Club.

Nach mehreren Berichten von US-Medien ist sein Protest und seine sozialkritischen Äußerungen der Grund dafür, dass er kein neues Team fand. Kein einziges NFL-Teams gibt dies natürlich zu, aber ein anderer Grund ist kaum vorstellbar. Kaepernick fehlt aktuell zwar die Spielpraxis, seine Statistik und seine Erfolge geben ihm aber die Berechtigung in der NFL eine gute Rolle zu spielen.

Selbst andere Footballer sind verwundert

Verteidiger Richard Sherman von den Seattle Seahawks steht Kaepernick bei:

Er ist vielleicht nicht der Beste, aber er ist besser als viele der Kerle, die einen Stammplatz haben.

Schlimm genug, dass Kaepernick wegen seiner mutigen Aktion abgesägt wird, aber gleichzeitig spielen derzeit verurteilte Gewalttäter in der höchsten amerikanischen Football-Liga. Solange sie einem Team zum Sieg verhelfen können, solange dürfen sie auch auflaufen. Bloß bei Colin Kaepernick wird eine Ausnahme gemacht.

Marshawn Lynch, Spieler der Oakland Raiders, sprach schon letztes Jahr während des Protests seinen Zuspruch für die Sache aus:

Mir ist es lieber ihn knien zu sehen, als dass er steht, seine Hände hochnimmt und umgebracht wird. Wenn du wirklich kein Rassist bist, dann wirst du das, was er macht, nicht als Gefahr für Amerika empfinden, sondern als Versuch ein Problem, das wir haben, anzusprechen.

Selbst NFL-Boss Roger Goodell zeigte Verständnis für Kaepernicks Verweigern der Nationalhymne:

Wir müssen verstehen, dass es Menschen gibt, die andere Ansichten haben. Die Nationalhymne ist für mich eine spezielle Sache. Es ist ein Moment des Stolzes. Aber wir müssen auch die andere Seite verstehen. Dass die Menschen Rechte haben, die wir akzeptieren wollen.

Warum also trotz Unterstützung von höchster Ebene der einstige Star Kaepernick kein Team findet, bleibt offen. Offenbar vertreten viele Entscheidungsträger der NFL die Meinung, dass die beliebteste Sportart der Amerikaner nicht dazu missbraucht werden darf, um auf akute Probleme im Land hinzuweisen.