Nach Wochen des Hin und Her steht nun fest, dass Lucien Favre Nachfolger von Peter Stöger wird.

Der BVB zählt zu den interessantesten Klubs in ganz Europa,

sagte der Schweizer. Er freue sich auf die Rückkehr in die Bundesliga. BVB-Sportdirektor Michael Zorc betonte die „hohe Wertschätzung für die fachlichen Qualitäten“ des Trainers, der einen Vertrag bis 2020 erhält.

Borussia Dortmund erwartet nicht weniger als den Aufbau eines neuen Spitzenteams, das dauerhaft in der Champions League vertreten ist. Favre brachte Hertha BSC (im Schnitt 1,48 Punkte pro Pflichtspiel) und OGC Nizza (1,65 Punkte) nahe an die Champions League, mit Borussia Mönchengladbach (1,65) erreichte er sie.

Mit Marco Reus trifft er auf einen alten Bekannten aus Gladbacher Zeiten, von der der wohl beste BVB-Akteur heute noch schwärmt:

Er ist ein sensationeller Trainer. Von ihm habe ich in meiner Karriere sicher am meisten gelernt.

Dass Favre und Reus nicht schon früher zueinanderfanden, sagt einiges über den Schweizer aus. Bei Hertha BSC sollen sich einst nahezu alle Verantwortlichen darüber einig gewesen sein, den talentierten Reus vom damaligen Zweitligisten LR Ahlen zu verpflichten. Nur Favre habe gezögert. Ein Transfer nach Berlin kam nicht zustande.

Lucien Favre ist akribisch wie kein Zweiter

Favres Fußball kann man nicht wirklich einordnen, kein Laptop-Trainer, keiner der alten Schule, eher einer, der aus allem das Beste filtert und dabei akribisch im Videostudium ist. Favre sucht die Schwachstellen des Gegners in seinen stundenlangen Studien, gibt seinen Spielern dann die Lösungen, wie diese auszunutzen sind. Favres Ansprüche sind dabei sehr hoch. Das wird ein Kriterium gewesen sein, nach dem sie ihn in Dortmund ausgesucht haben.

Favre ist kein Klopp, er ist kein Tuchel, kein Bosz, kein Stöger. Lucien Favre ist ein Versuch, aber auch eine große Chance neues Leben in das schwarz-gelbe Leben zu bringen. Ein kurzfristiger Erfolg ist mit Favre immer zu haben, nur das Glück über Jahre zu bunkern, dabei glückselig durch tiefe Täler zu gehen, wird schwierig. Denn Favre ist bei anhaltendem Erfolg ein Trainer, der immer mehr Macht einfordert. Bekommt er die unter Watzke und Co. nicht, kann das Experiment Favre auch schnell wieder in die andere Richtung gehen. Aber für die jetzige Situation am Borsigplatz scheint der Schweizer der beste Kompromiss zu sein, den Borussia Dortmund nach zwei unruhigen Jahren finden konnte.