Schwerer Dopingverdacht im Team der russischen Athleten. Der Curler Alexander Kruschelnizki wurde positiv auf das verbotene Herzmittel Meldonium getestet. Er ist bereits abgereist.

Mehrere russische Medien zitierten Konstantin Wybornow, den Sprecher der „Olympischen Athleten aus Russland“. Er bestätigte, „dass die Leitung unserer Delegation eine offizielle Nachricht des IOC erhalten hat eine mögliche Verletzung der Anti-Doping-Regeln betreffend. Wir werden den Namen des Athleten nicht nennen, bis die B-Probe geöffnet ist, was wir innerhalb der nächsten 24 Stunden erwarten.“

Ungeachtet dessen ist Kruschelnizki bereits nicht mehr im Olympischen Dorf anzufinden und hat seine Akkreditierung abgegeben. Der Fall hätte auch Auswirkungen auf den Medaillenspiegel. Im Mixed-Wettkampf hat Kruschelnizki an der Seite von Anastassija Brysgalowa gegen Norwegen Bronze geholt. Kurz danach soll die besagte Probe abgegeben worden sein.

Rehabilitierung in Gefahr

Sollte sich Vorwurf offiziell bestätigen, ist die Rehabilitierung Russlands akut gefährdet. Die stellte das Internationale Olympische Komitee (IOC) ursprünglich noch vor Schlussfeier in Aussicht. Nach Angaben des IOC wird dieser Fall die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland beeinflussen: „Sollte der Fall bestätigt werden, wird die Bewertungskommission dies berücksichtigen. […] Es wäre sehr enttäuschend, wenn der Fall bewiesen wird“, sagte Mark Adams, Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees, am Montag.

Meldonium erst seit 2016 verboten

Meldonium ist ein durchblutungsförderndes Mittel, das erst seit Anfang 2016 auf der Dopingliste steht. Durch den Fall des Tennisstars Maria Scharapowa fand das Mittel weltweit Beachtung. Scharapowa wurde kurz nach dem Inkrafttreten des Verbots bei den Australian Open mit Meldonium erwischt. Der internationale Tennisverband sperrte sie für zwei Jahre, die Strafe wurde nach einem Urteil des CAS auf 15 Monate reduziert.

Wird Russland begnadigt?

Nach dem Staatsdoping-Skandal vor vier Jahren in Sotschi stände Russland bei Bestätigung des jetzigen Dopingfalls erneut im Fokus des IOC. Die russischen Athleten starten in Südkorea aktuell nämlich nur auf Bewährung. Die Kriterien für eine Begnadigung Russlands vor der Schlussfeier in Pyeongchang wurden allerdings nie öffentlich gemacht.

Es halten sich derweil hartnäckig Gerüchte, dass eine Begnadigung des suspendierten russischen NOK bereits feststeht. Ein Dopingfall eines russischen Athleten würde den Druck auf alle Involvierten enorm erhöhen.