Komplette Abschottung: Japanische Krankheit „Hikikomori“ auf dem Vormarsch

Ruhe und Entspannung wünschen sich viele von uns ab und zu im hektischen Alltag. Doch es gibt in Japan eine Gruppe von Menschen, die dieses Konzept ziemlich ausreizt. Sie nennen sich Hikikomori. Übersetzt ins Deutsche heißt so viel wie „sich wegschließen“.

Symptome ähneln einer Depression – die Zahl wächst

Das Phänomen zeichnet sich durch soziale Ängste aus. Betroffene treffen ungern Menschen, isolieren sich, meiden Unterhaltungen und scheuen jeden Körperkontakt. Wenn dies über einen Zeitraum von sechs Monaten passiert und die Schule oder die Arbeit nicht mehr besucht werden, ist das Krankheitsbild klar.

In Japan ist der Begriff Hikikomori schon seit Jahren ein Thema. Das Land gehört zu einem der reichsten und fortschrittlichsten Ländern der Welt. Daher gibt es auch immer mehr Menschen, die dem Leistungsdruck nicht stand halten können und sich komplett wegschließen. Es gibt jedoch auch andere Gründe für den kompletten Rückzug zum Beispiel Versagensängste oder Traumata.

Krankheit ist bei Männern häufiger

Hikikomori eint, dass sie sich zu ihren Eltern zurückziehen und kein Geld verdienen. Viele sind noch im jungen Erwachsenenalter und meistens männlich. Genau wie bei depressiven Verstimmungen hat die Zahl der Hikikomori im Laufe der letzten Jahre zugenommen. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet, leiden weltweit etwa 350 Millionen Menschen an einer Depression mit derartigen Symptomen.

In Japan sei allerdings der Leidensdruck besonders hoch. Als Hauptursache wird der starke Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt genannt. Wer hier seine Chance verpasst, ist direkt in der Abwärtsspirale. Betroffen sind daher oft Akademiker, die Computerspiele oder Comics lesen. Sie ziehen diese Aktivitäten realen sozialen Beziehungen vor.

Die Krankheit sei wie eine „innerliche Qual“, erklärt der japanische Psychologe Tamaki Saito

Sie wollen raus in die Welt gehen, Freunde oder Liebespartner finden, aber sie können es nicht,

beschreibt er weiter.

Wohnheime sollen helfen

Es gibt spezielle Einrichtungen, die sich dem Thema nun angenommen haben. In Wohnheimen lernen die Betroffenen wieder in Gemeinschaft zu leben. Sie kochen gemeinsam oder übernehmen andere Verpflichtungen. Die Therapien werden von der Regierung und Stiftungen mitfinanziert.

Das Food-Video-Portal mit den besten Clips aus dem Netz.
https://www.tastecrunch.com/