Die Briten ernähren sich zu süß. Besonders viel Zucker versteckt sich in Cola, Limo oder Energydrinks und führt langfristig zu Übergewicht. Fast ein Drittel der Kinder zwischen zwei und 15 sind bereits zu dick. Deshalb erhebt Großbritannien zukünftig auf Limonaden eine nach Zuckergehalt gestaffelte Steuer. Auch in Deutschland könnte es bald eine Zuckersteuer geben.

Je süßer desto teurer

Ab dem 6. April greift die Zuckersteuer auf Getränke. Künftig werden fünf Gramm Zucker in 100 Millilitern Getränk umgerechnet 20 Cent pro Liter Steuer kosten. Ab 8 Gramm werden 32 Cent fällig. Zum Vergleich: In Deutschland enthalten Fanta und Sprite 9 Gramm Zucker pro 100 Milliliter.

In anderen Ländern wie Finnland, Frankreich, Ungarn und Mexiko gibt es ebenfalls eine Steuer auf süße Getränke.

Rasches Handeln der Unternehmen

Die britische Wirtschaft hat bereits auf die angekündigte Zuckersteuer reagiert. So reduzierte der Hersteller Coca Cola den Zuckergehalt für Fanta und Sprite von 6,9 auf 3,3 Gramm. Auch weitere Getränkehersteller änderten nun den Zuckergehalts ihrer Softdrinks.

Gefahr für die Gesundheit

Zuckerhaltige Getränke wie Cola stellen langfristig eine Gefahr für die Gesundheit dar. Je süßer die Getränke, desto höher das Risiko für Übergewicht, Diabetes Typ-2 und Zahnkrankheiten wie Karies.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ich bei einem Zweijährigen alle 20 Zähne ziehen muss. Bei den Zähnen wurde der Zeitpunkt für eine Bearbeitung schon verpasst, das sind schwarze Stümpfe bis auf das Zahnfleisch, da können auch verschiedene Infektionen im Mund des Kindes entstanden sein. Es ist herzzerreißend, das zu sehen,

sagt die britische Zahnärztin Claire Stevens.

Zudem seien süße Getränke für die Ernährung besonders bedenklich, denn sie liefern nur Kalorien, aber keine wichtigen Nährstoffe. Das bedeutet, dass sie nicht sättigen und keine Energie liefern.

Ähnliche Steuer für Deutschland?

Risiken, die wir kennen, dennoch fällt es schwer auf zuckerhaltige Softdrinks zu verzichten. Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert deshalb auch eine Zuckersteuer für Deutschland.

Das Beispiel Großbritannien zeigt: Herstellerabgaben auf Zuckergetränke entfalten eine deutliche Lenkungswirkung und können zu einer drastischen Zuckerreduktion führen“, erklärte Luise Molling von Foodwatch. Nun müsse auch die Bundesregierung hierzulande eine Herstellerabgabe auf überzuckerte Getränke einführen „sowie Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer befreien,

so die Verbraucherorganisation.

Doch bisher hält die Bundesregierung wenig von einer Zuckersteuer. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) lehnte diese ab. Die Unternehmensseite zeigt sich ähnlich skeptisch:

Übergewicht ist ein komplexes Phänomen. Einfache Antworten sind verlockend, aber sie lösen das Problem nicht. Es braucht vielmehr den Willen zu gemeinschaftlichen Lösungen. Dabei gilt: Man kann Übergewicht nicht wegbesteuern,

sagte Patrick Kammerer, aus der Geschäftsleitung von Coca-Cola Deutschland.

Auch die Bevölkerung ist aktuell gegen eine Zuckersteuer. Einer Umfrage zufolge stimmen 49 Prozent der Befragten dagegen, wobei 44 Prozent dafür votieren.

Eine weitere Forderung von den Verbraucherschützerin ist die Lebensmittel-Ampel. Sie soll konkrete Angaben zu Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln machen. Doch auch dieser Maßnahme erteilte Julia Klöckner eine Absage:

Eine vereinfachte Ampelkennzeichnung bringt Verwirrung

sagte sie und nennt das Beispiel von frisch gepresstem Orangensaft, der Zucker enthalte und so eine rote Kennzeichnung bekommen müsste. Eine Light-Limonade bekäme hingegen eine grüne Ampelkennzeichnung.

Ist das Naturprodukt wirklich ungesünder?,

fragt Klöckner.